Montag, 20. Februar 2017

SPIELT DAS ALTER (K)EINE ROLLE? - GEDANKENSPIELE

Hallo ihr Lieben,

nun mache ich meine Drohung aus dem ersten Blogpost 2017 wahr und berichte heute nicht über ein Produkt, sondern lasse euch an Überlegungen teilhaben, die mir in den letzten Tagen durch den Kopf gegangen sind. Ich hoffe, ihr habt dabei genauso viel Freude am Lesen wie bei meinen Testberichten.

Nicht alle Gedanken müssen auch in die Öffentlichkeit getragen werden, ausschlaggebend für diesen Artikel hier war nun der letzte Samstag, da waren wir mit Freunden nämlich unterwegs als

GRUFTIS AUF DEM FASCHINGSBALL

in unserem Ort. Das bedeuted nicht, dass wir als Gruftis verkleidet waren, sondern dass wir mit unserer Anwesenheit den Altersschnitt extrem angehoben haben - wir waren definitiv die Ältesten im Saal. Ein Problem?

Auf geht´s zum Faschingsball


Nicht im Geringsten, auch Ü50 kann man Spaß haben, tanzen, Sekt trinken und mit Leuten reden. Auch mit sehr viel jüngeren. Die Angestellte meiner Friseurin, die gerade mal halb so alt ist wie ich, fiel mir um den Hals und fand es super, dass ich da war. Mit dem einen oder anderen, den wir bereits kennen, seit sie kleine Stöpsel waren, haben wir zusammen an der Bar einen Drink genommen. Okay, mein Mann nahm´s etwas erschrocken, aber mit Humor hin, dass ihn ein junges Mädchen mit "Sie" ansprach und unsere Nichte (30) freute sich mit einem "Jetzt bin ich nicht mehr die Älteste hier", als er in der Bar auftauchte. Amüsiert hat mich eine Bekannte ebenfalls um die 30, die meinte, sie wisse nicht, ob sie nächstes Jahr nochmal gehen würde: "Ich glaub, ich bin langsam zu alt dafür, bei den ganzen Kindern hier".

Nie zu alt zum Feiern ;-) - Verena N.  / pixelio.de


Ist man das? Oder ist man so alt, wie man sich fühlt? Auf dem Ball habe ich mich wohl und absolut nicht fehl am Platz gefühlt. Ich hatte letztes Jahr auch kein Problem damit, 50 zu werden, auch wenn es etwas irritierend ist, wenn einen eine 50-jährige aus dem Spiegel anschaut, während man innen drin doch noch 30 ist ;-).
Mit 50+ ist man aber anscheinend doch alt, zumindest wenn man dies betrachtet:

DIE WERBERELEVANTE ZIELGRUPPE

2010 hieß es in einem Artikel der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung:

"Glaubt man den smarten Werbeleuten, dann ist der 49. Geburtstag kein Tag, den man feiern sollte. Wer 49 ist, dem bleibt noch ein Jahr bis zur Bedeutungslosigkeit, dann ist er egal – zumindest in seiner Eigenschaft als Konsument. Es interessiert nicht mehr, welche Fertigpizza bei ihm daheim wie beim Italiener schmeckt, welches Shampoo seinem Haar dreimal mehr Volumen verleiht, welche für ihn die längste Praline der Welt ist. Natürlich wird dem Ü-49-Jährigen nicht das Grundrecht auf Konsum genommen, aber er gehört nicht mehr zur „werberelevanten Zielgruppe“."

Michael groß  / pixelio.de


Liest man andere und neuere Artikeln im Netz, so hat sich das im Zuge des demographischen Wandels verändert. Die Generation 50+ bilden die am stärksten wachsende Gruppe der Bevölkerung und haben eine höhere Kaufkraft als alle Jüngeren. TV-Macher, Medienspezialisten und Markenanbieter stellen sich angeblich deswegen um und sehen neben der bisherigen Zielgruppe auch die 20 - 59jährigen als werberelevant an. Ob das so stimmt, wage ich zu bezweifeln und habe mir in den letzten Tagen TV-Werbung gezielt angesehen.


Tatsächlich erscheinen gefühlt mehr "Alte" darin, doch für welche Produkte halten diese ihr Gesicht in die Kamera?

Der Enkel ist happy, weil die Oma dank der Schmerzsalbe wieder mit ihm herumtoben kann. Eine Dame (geschätzt 40) freut sich, weil dank Always discreet niemand mehr merkt, dass sie in die Hose pieselt, eine deutlich ältere Damen kann mit Tena-Lady wieder ungehindert mit dem Enkel toben (diese Enkeltoberei hat anscheinend Konjunktur). Bei Fielmann dürfen ältere Menschen ihre Sehschwäche günstig korrigieren, andere haben ein "Kind im Ohr".



Autos, Burgerketten, Fernseher, Smartphone/tarife, Kosmetik (abgesehen von Cremes "für die reife Haut") dagegen? Fehlanzeige, es sei denn, man bringt für den Schmunzler reichlich skurrile Alte ins Bild.

Eigenwilliger Opa in der Mediamarktwerbing




Nun muss ich mir das ja nicht ansehen und somit betrifft es mich auch nicht. Und dennoch überlege ich: wie ist das dann eigentlich mit den


NEUEN MEDIEN?

Im ersten Blogpost 2017 hatte ich bereits zur Sprache gebracht, dass ich auf einigen Plattformen überhaupt keine Zusagen mehr für Produkttests erhalten habe. Natürlich kann man nicht ständig zu den Auserwählten gehören, wenn sich 2000 und mehr Bewerber/innen für 50 - 300 Testprodukte anmelden, aber im Jahr zuvor war ich doch zwei oder dreimal dabei, dann gar nicht mehr. Ich war nicht weniger interessiert und offen, nicht weniger engagiert gewesen, ich kann immer noch gut schreiben, habe Blogleser/innen... was hatte sich geändert? Ich gab es auf, darüber nachzudenken, eine Antwort würde ich sowieso nicht bekommen. Doch dann machte es wegen eines aktuellen Ereignisses "Pling" - ich war 50 geworden und somit "werberelevant" in der Bedeutungslosigkeit versunken - kann es das sein?

Thorben Wengert  / pixelio.de


Das aktuelle Ereignis trug sich bei den Konsumgöttinnen zu, die nach 2016 zum zweiten Mal Konsumgöttinnen-Youtuberinnen suchte. Drei Frauen, die bei mindestens 3 Projekten exklusiv für den Youtubekanal der Plattform Videos erstellen sollen. Vorgabe: keine, man brauche nicht einmal einen eigenen Kanal mit vielen Abonnenten haben.
2016 hatte ich mich noch nicht getraut, aber da ich mittlerweile ein wenig Erfahrung auf meinem Kanal gesammelt hatte und sogar eine persönliche Email bekam, dass ich mich doch bewerben solle, wagte ich es und schickte ein Bewerbungsvideo.

Und bekam eine Absage. Neugierig schaute ich nach, wer denn ausgewählt wurde, schaute auch noch nach, wer es im letzten Jahr gewesen war. Und siehe da... lauter junge Frauen. 2016 waren die Damen 22, 25 und 26 Jahre alt, dieses Jahr ist eine der drei mit 35 schon fast scheintot, die andere 25 und die dritte nennt ihr Alter nicht, ist aber auch keinesfalls bereits 30. Alle haben ans Profihafte grenzende eigene Youtubekanäle mit Abonnentenzahlen von 1000 bis 16 000. Da kann ich mit meinen 237 nicht gegen anstinken.

Die Konsumgöttinnen-Youtuberinnen 2016


Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht der Meinung, dass ich ausgesucht hätte werden müssen. Aber soll ich glauben, dass sich sonst keine einzige Konsumgöttin Ü40 beworben hat? Diese Auswahl spiegelt in keinster Weise die Vielfalt in unserer Gesellschaft wieder und ich gehe auch davon aus, dass innerhalb der Community eine größere Vielfalt an Frauen jeglichen Typs und Alters vertreten ist, die sich hier nicht zeigt.

Die Konsumgöttinnen-Youtuberinnen 2017


Ist es dann ein Wunder, wenn sogenannte "Best Ager" das Internet zwar rege nutzen, mir aber sagen, dass sie an Blogs und Videos kein Interesse haben? Ich denke nicht, denn es fehlt dort einfach die Identifikationsmöglichkeit. Was soll mir eine 25-Jährig mit komplett anderen Bedürfnissen und Lebensumständen auch über Kosmetik oder Haushaltsgeräte erzählen, das für mich relevant wäre?
Ich lese gerne auch Blogs jüngerer Kolleginnen, die gut schreiben, aber am Interessantesten sind für mich immer die Blogs von Frauen, die zumindest annähernd meinen Lebensabschnitt teilen.
Ich finde es schade, dass Plattformen und Hersteller von Markenprodukten anscheinend immer noch an der kaufkräftigsten Gruppe der Bevölkerung vorbei arbeitet und kann mir nur wünschen, dass sich das irgendwann einmal ändert - zum alten Eisen gehören wir nämlich noch lange nicht.

Ungeschminkt: Ich kann noch keinen groben Rost erkennen ;-)





 

ZUM SCHLUSS

würde ich diesmal mehr denn je gerne eure Meinung hören. Seht ihr das alles genauso oder leide ich vielleicht doch unter Altersparanoia? ;-) Schreibt mir doch als Kommentar, was ihr darüber denkt.

Liebe Grüße
Eure Kerstin