Mittwoch, 24. Juni 2015

ANTJE, MAGGI FIX UND ICH

Hallo ihr Lieben,

im Moment habe ich keinen Produkttest mehr am Laufen und auch durch diverse Aufträge im Fotografiebereich eher weniger Zeit für den Blog. Allerdings gibt es ein Thema, das schon länger auf seine Bearbeitung wartet und das möchte ich heute anpacken. Es geht um eine kleine private "Challenge" und

MAGGI FIX

Zunächst einmal möchte ich ausdrücklich betonen, dass ich niemanden verurteile, der mit Fix-Tütchen kocht und es nie wagen würde, jemanden als schlechten Koch/Köchin zu bezeichnen, der auf diese Produkte steht und sie verwendet. Ich selber würde sicher nicht angewidert das Gesicht verziehen und es sofort merken, wenn mir jemand ein Fix-Essen vorsetzen würde. Allerdings habe ich schon mal festgestellt, dass mir so eine Mahlzeit einmal schmecken mag, bei Wiederholung ich aber einen leichten Widerwillen entwickle. Warum? Da kann ich nur raten, vielleicht weil ich Konservierungsmittel heraus schmecke, vielleicht weil das Ganze für meinen Gaumen überwürzt ist. Und langweilig ist es sowieso, dazu gleich eine kleine Geschichte.



Copyright by Peter Röhl @pixelio


Um es auf den Punkt zu bringen: ich möchte hier niemanden bekehren oder gar angreifen. Ich möchte keine heißblütige Diskussion entfachen, bei der sich Fix-Freunde und Fix-Gegner die Köpfe einschlagen. Ich kann es lediglich nicht nachvollziehen, was an diesen Pülverchen aus der Chemieküche so toll sein soll und versuche seit Jahren den Sinn und Nutzen zu verstehen.


UND TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER

Vor einigen Jahren hatte ich ein sehr prägendes Fix-Erlebnis. Bei einer Geburtstagseinladung wurde ein Jägertopf serviert, der wirklich gut schmeckte. Ein paar Wochen später waren wir auf einem weiteren Geburtstag in einem anderen Haushalt eingeladen und es gab... Jägertopf! Irgendwie bescherte mir der ein Deja-Vu-Erlebnis, auch wenn er mir nicht mehr ganz so gut schmeckte, sondern irgendwie an Kantinenessen erinnerte. Zwei oder drei Monate später traf ich erneut auf den Jägertopf, wiederum an einem Geburtstag und wiederum von einer ganz anderen Köchin. Und wiederum mit dem gleichen, mir mittlerweile nicht mehr willkommenen Geschmack. Diesmal fragte ich nach dem Rezept und schlug mir innerlich vor den Kopf: na klar, Maggi Fix für Jägertopf war das Geheimnis der identischen Speisen. 

Schweinemedaillons in Pfefferrahm (ohne Fix)


Es mag wohl Menschen geben, die nur das essen, was sie kennen und keinerlei Veränderungen im Geschmack akzeptieren wollen. Für die ist Maggi Fix natürlich ideal - für mich ist es nur langweilig, es fehlt jegliche Individualität und mal ganz ehrlich: so kann keine Köchin ihr Können beweisen, nichts zeigen, das sie von anderen Köchinnen unterscheidet. Wie soll man da ehrlich sagen "Das hast du gut gekocht?" Müsste es nicht heißen "Das hat Maggi gut gekocht"?

DIE ARGUMENTE

die ich in vielen Unterhaltungen über Jahre hinweg zu diesem Thema von Befürwortern gehört habe, erschließen sich mir nicht.

- Da wäre zunächst einmal das "Ich kann nicht mit frischen Gewürzen würzen". Klar, ich konnte auch nicht rechnen, bevor ich in die Schule kam oder wusste nicht, wie man eine Waschmaschine bedient, bevor ich es nicht ausprobiert hatte. Auch das Kochen und das Würzen muss man lernen. Langsam mit wenigen Gewürzen anfangen, wenig hinein geben und die Menge nach und nach unter stetigem Abschmecken steigern, bis es passt. Kocht man eine Weile so, bekommt man auch das Gefühl für die richtigen Mengen und muss ziemlich schnell nicht mehr nachdenken. Meine Söhne sind alle drei kein Fix gewohnt, kochen aber wie die Weltmeister und würzen ganz unbefangen. Es klappt.

Richtiger wäre in dem Fall wohl die Aussage "Ich koche nicht gern und ich mag nicht selber würzen". Dem ist nichts entgegen zu halten.

- "Ich weiß nicht, was ich zum Würzen nehmen müsste". Früher gab es Kochbücher (gibt es immer noch), heutzutage hilft einem Google noch viel einfacher auf die Sprünge. Alles wird gegoogelt, warum nicht auch die Antwort auf die Frage, was in eine gute Tomatensoße oder zu einem Gulasch gehört? Auch hier müsste es statt "Ich kann nicht" "Ich will nicht" heißen - was ja absolut legitim ist.

Wie wär´s mal mit frischem Salbei? ;-)


- "Es geht viel schneller" An dieser Stelle komme ich nun zu meiner kleinen Challenge mit

ANTJE

Antje ist eine liebe Bloggerkollegin, die zusammen mit ihrer Tochter Ilka den interessanten Blog "Wie finden wir es" betreibt. Bei ihr entdeckte ich, dass sie für trnd diverse Maggi-Produkte (darunter auch Fix-Tütchen) testete und wunderte mich, da ich sie als "Kräuterhexe" kenne, die viel Natürliches in ihrer Küche verwendet und herstellt. Neben Produkttests findet man bei ihr auch interessante Rezepte wie zum Beispiel für selbstgemachten Erdbeerlimes. Ich sprach sie darauf an und es stellte sich heraus, dass sie zwar selten, aber doch hin und wieder Fix-Tütchen verwendet mit dem "Schneller"-Argument als Begründung.

Ich bat sie, sich mit mir auf einen Versuch einzulassen und sie stimmte zu: sie kochte Lachs-Sahne-Gratin mit dem entsprechenden Tütchen und achtete dabei genau auf die Zeit, ich kochte es dann nach ohne die Hilfe von Maggi und schaute ebenfalls auf die Uhr.

Ihre Lachsversion findet ihr HIER - nicht in die Zeitrechnung kam das Abkochen der Nudeln und das Waschen und Kleinschneiden der Bärlauchblätter, die sie zusätzlich verwendete. Von der Vorbereitung des frischen Lachses bis zum Platzieren des Fischs auf den Teller benötigte sie 35 Minuten.



Nun war ich dran: ich tupfte den Fisch trocken, legte ihn in eine Gratinform, die ich zuvor mit Olivenöl eingepinselt hatte und gab noch zuvor vorbereiteten Spargel dazu (zählt wie der Bärlauch nicht zur Zeit). Dann verrührte ich einen Becher Schmand und etwas Sahne mit 1 EL Tomatenmark, Salz, Pfeffer und etwas Kräutern (wenn ich mich recht erinnere Schnittlauch und kleingewürfelte Zwiebel, die Vorbereitungszeit für diese zwei Zutaten rechne ich mit) - dieser Schritt entspricht ja dem Anwenden des Fix-Tütchens. Die Mischung gab ich über den Fisch/Spargel, streute noch etwas Käse darüber... ab in den Ofen damit. Nach Ende der Backzeit, die sowohl bei Antje als auch bei mir natürlich gleich war (25 Minuten) lag der Lachs nach gestoppten 38 Minuten auf dem Teller.



So, Leute, da haben wir es: man spart durch die Verwendung von Maggi Fix also sage und schreibe ganze drei Minuten am Tag. DREI! Doch so viel ;-)

Diese drei Minuten kann ich erübrigen und spare dafür lieber

- 19,7 Gramm Zucker: überlegt euch das mal, das sind 1,5 Esslöffel Zucker, wobei ich mich frage, was Zucker in einem Lachsgratin, Gulasch, Jägertopf etc. zu suchen hat.

- irgendwelche undefinierbare Aromen, die mit Natur nicht wirklich was zu tun haben

- Geschmacksverstärker: wenigstens kein Glutamat, sondern Hefeextrakt, wobei das auch nicht viel besser ist.

- die in vielen Tütchen enthaltenen E-Nummern, die bekanntlich als Allergene wirken können.

Auch wenn die Verwendung von Fix-Produkten hin und wieder sicher nicht gänzlich ungesund ist, kann ich doch gut darauf verzichten. Das Argument "Geht schneller" zieht für mich nach diesem Versuch immer noch nicht.



Aber es muss doch sinnvolle Gründe geben, warum so viele Menschen teures Geld für diese Pülverchen ausgeben (denn teuer sind sie absolut!)? Kennt ihr welche? Verwendet ihr Fix oder kommt euch das nicht aus der Tüte? Ich bitte um Kommentare, aber bitte sachliche und nicht so verächtliche und abwertende, wie ich sie zu diesem Thema im Netz schon lesen musste. Denn wie gesagt: man ist kein schlechter oder dummer Mensch, nur weil man "Fix" kocht.

Liebe Grüße
Eure Kerstin

PS: danke an dich, liebe Antje, dass du diesen wirklich Spaß machenden Versuch mit mir durchgezogen hast.