Dienstag, 4. April 2017

DER MÖRDER WAR NICHT DER GÄRTNER - KRIMIDINNER IN WÜRZBURG

Hallo ihr Lieben,




was schenkt man sich, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat und schon alles hat oder es sich einfach selber kaufen kann? Am besten Zeit und Erlebnisse und genau so ein Geschenk hatte ich zu Weihnachten von meinem Mann bekommen: gemeinsame Zeit und ein tolles Erlebnis, das am vorletzten Wochenende nun stattfand.

Vor ein paar Jahren hatte mein Mann das Vergnügen, bei der Weihnachtsfeier vom Geschäft ein Krimidinner mitzuerleben und da ich damals fast grün vor Neid war und er meint, dass mir grün nicht steht, gönnte er mir einen Ausflug nach Würzburg mit einer Übernachtung und einem Besuch eben dieses Dinners auf der Festung Marienberg. Davon möchte ich euch heute erzählen.



AUFI MUASS I

Auf den Berg… vom Hotelzimmer (über das Hotel selber ein andermal mehr) hatte man einen wunderbaren Blick auf die Festung und konnte feststellen, dass es da ganz schön hoch hinaufgeht. Da man für das Dinner möglichst elegant, nämlich passend zum Thema „Leichenschmaus in adeligen Kreisen“ gekleidet sein soll, waren bei mir Pumps angesagt und mit denen da hoch zu laufen wäre kein Vergnügen geworden, auch wenn laut Rezeptionist der Fußweg gerade mal 25 Minuten betragen sollte. Wir orderten also ein Taxi und ließen uns standesgemäß vorfahren. Natürlich hätten wir auch selber mit dem Auto fahren können, vor der Festung gibt es ausreichend Parkplätze, aber keiner von uns wollte auf Wein/Bier verzichten.



Nicht nur vom Hotelfenster aus, auch vor Ort mach die über dem Main gelegene und an zwei Seiten von Weinbergen gesäumte Festung einen majestätischen Eindruck. Durch zwei kleinere Innenhöfe und großen Torbögen hielt das Taxi auf einem dritten großen Innenhof direkt vor dem Eingang. Bevor wir eintraten, ließ ich das Gebäude erst einmal auf mich wirken, die ab 1200 entstandene und im Spätmittelalter und der Renaissance erweiterte und ausgebaute Burg ist wirklich ein würdiger Ort für ein Adelsdinner und versetzt den Krimidinner-Besucher gleich in die richtige Stimmung. 



Natürlich ist die Festung zum Teil modernisiert, das Foyer erscheint daher groß und relativ kalt wie jedes andere Foyer in Neubauten. Für Garderobe ist reichlich Platz, auch die Toiletten sind gut zu finden, groß und sauber. Doch schon beim Eintreten in den Saal, in dem das Dinner stattfindet, waren wir wieder in diesen Bann gezogen, der mich schon draußen packte. Altmodisch-elegant mit verzierten Decken, mit rotem Samt bezogenen Stühlen und „alten Meistern“ an den Wänden wurde das Ambiente mit schön gedeckten Tischen ergänzt. Witzig fand ich die großen Leuchter in der Mitte, die mit „Spinnweben“ verziert waren. Tja, der Adel ist leider wohl verarmt und kann sich nicht genügend Personal leisten ;-)


BITTE EINTRETEN


Aber nicht wie ein Trampel einfach drauf los und sich irgendwo hinsetzen. Es gibt keine Platzkarten, der Maître empfing uns an der Tür, hakt den Namen auf seiner Liste ab und wies eine junge Dame, die sich später als die „uneheliche Tochter des Verstorbenen“ erwies an, uns an Tisch 15 zu führen. Dort nahmen wir an den letzten beiden freien Stühlen Platz, leider mit dem Rücken zum Saal. Obwohl wir ziemlich genau um 19 Uhr ankamen und laut Karte zu diesem Zeitpunkt der Einlass beginnt, war der Saal bereits gut gefüllt. 



Im ersten Moment war ich deswegen etwas enttäuscht, aber letztendlich stellte sich heraus, dass es kein Problem war. Da das Theaterstück zu jedem Gang des Essens unterbrochen wird, kann man sich zum Zuschauen mitsamt dem Stuhl herumdrehen – dass ich meinem Sitznachbar deswegen meinen Rücken zudrehen musste, hat er verkraftet.


DER LEICHENSCHMAUS

begann um 19 Uhr 30 und dauerte vier Stunden. Die Geschichte ist die zweite von fünf Episoden aus der Familiengeschichte der Ashtonburys, jede Episode ist für sich abgeschlossen und wird auch verstanden, wenn man vorhergehende nicht kennt.

Beim Leichenschmaus waren wir als „Verwandtschaft“ alle willkommen zur Testamentseröffnung des verstorbenen Lord George Ashtonbury. Ferner waren seine Frau Lady Emily Ashtonbury, sein Neffe Peter Ross, die uneheliche Tochter des Lords Cora und der Butler Bunter anwesend. Zunächst forderte Peter Ross uns auf, Handys auszuschalten und sich nach seiner Anweisung dem Glas Absinth vor uns zu widmen. Ein Würfelzuckerstück musste ins Glas gegeben und wieder herausgenommen, auf einen Löffel gelegt, angezündet und nach Erlöschen der Flamme wieder ins Glas gegeben werden. Umrühren, mit Wasser auffüllen und trinken. Ich habe noch nie Absinth probiert, schmeckt eigentlich wie Ouzo, nach Anis eben. Sieht aber hübscher aus ;-)



Nun hielt Lady Ashtonbury eine Begrüßungsrede, in deren Verlauf ein weiterer Gast in den Saal polterte, nämlich der Bruder des Verstorbenen, der bis dato in den Kolonien gelebt hat und über dessen unkultivierte und laute Art die Lady „not amused“ war.

Wie es nun einmal beim Erben so ist, waren sich die Anwesenden nicht unbedingt grün, Familiengeheimnisse wurden ans Licht gebracht, Intrigen gesponnen und es stellte sich sogar die Frage, ob der verblichene Lord Ashtonbury gar eines unnatürlichen Todes gestorben sei – Grund genug für einen Mord hätte wohl jeder gehabt. Doch darum sollte es gar nicht gehen, wie sich herausstellt, als der Bruder Lord Ashtonburys auf einmal nach einem Schluck Wein tot zusammenbrach. Die unangenehme Situation wurde noch dadurch verschärft, dass das Schloss durch ein Unwetter von der Außenwelt abgeschnitten wurde, zum Glück schaffte es der Inspektor kurz zuvor noch einzutreffen.

Die Schauspieler agierten hervorragend in dieser Geschichte im Stil von Edgar Wallace, garniert mit einer guten Portion Humor, der nicht selten rabenschwarz ist und daher bestens zum England der 60ger Jahre passt. Aber nicht nur diese spielen ihre Rollen sehr gut, sondern auch ein Teil der Gäste. Keine Angst, man wird nicht gezwungen, aktiv teilzunehmen: für die Rollen des Doktors, des Notars und des Hilfs-Bobbys wurden vor Beginn Anwesende gefragt, ob sie diesen Part übernehmen wollen. Lediglich mein Mann wurde überraschend mit drei anderen zum Totenträger ernannt und musste das Mordopfer auf einem Teppich aus dem Saal tragen.



Erwähnenswert wäre noch, dass das Stück bestens musikalisch und mit Geräuschen untermalt wurde, so zuckte man zum Beispiel durchaus zusammen, als sich das Unwetter plötzlich mit einem lauten Donner ankündigte.


DAS ESSEN

war ausgesprochen lecker. Wer allerdings abgehobene 3-Sterne-Gerichte mit viel Chichi erwartet, wird enttäuscht sein. Ich persönlich brauche keinen Firlefanz auf dem Teller, das Auge muss sich angesprochen fühlen, aber Geschmack ist wichtiger als kunstvolle Schäumchen, Blüten und Türmchen und was es da sonst noch so alles gibt.
Der erste Gang bestand aus Blattsalaten mit Ziegenfrischkäsetalern mit einer Thymian-Honig-Vinaigrette, dazu knusprig-frisches Baguette – sehr schmackhaft, nicht zu viel und nicht zu wenig. 



Im zweiten Gang wurde eine feine und wunderbar cremige Kartoffelsuppe serviert, in der sich angebratene Scheiben von frischen, ausgesprochen aromatischen Champignons versteckten.
Den Hauptgang bildeten Perlhuhnbrüstchen mit Schalotten, Karotten und Zucchini, als Beilage handgemachte Gnocchi. An dieser Stelle ließ mich mein Magen im Stich, ich schaffte nur eines der beiden leckeren, zarten Fleischstücke. 



Von daher war ich froh, dass das Dessert relativ klein ausfiel: ein Miniwürfelchen Kuchen mit einer Himbeer-Schoko-Glasur und etwas Panna Cotta wurden von Himbeersoße begleitet. Auf dem Teller meines Mannes war viel mehr Soße, da tauschte ich doch gleich mal aus. 



Die Getränke sind im Preis des Krimidinners nicht mit inbegriffen. Ich gönnte mir zwei Gläser feinen Rotling zu je 4,60 Euro aus dem Stuttgarter Hofkeller und eine Flasche Wasser.
Für meinen Mann gab es Julius Echter Hefeweizen zu 3,60 Euro.

Zu den Getränken ist noch zu sagen, dass man beim Bestellen ein wachsames Auge haben muss. Die Bedienungen sind zwar sehr fix und freundlich, man kann aber nur vor Beginn des Stücks und während der Gänge bestellen – wird Theater gespielt, sind die Servicekräfte verschwunden, um den Ablauf nicht zu stören. Schafft man es also nicht, sein Getränk zu bestellen, solange gegessen wird oder trinkt sein Glas in der Mitte eines Theaterintervalls aus, muss man darben und auf den nächsten Essensgang warten.



Für Allergiker oder Vegetarier/Veganer besteht die Möglichkeit, vorab bei der Kartenbestellung dies anzugeben, die Wünsche werden dann berücksichtigt. An unserem Tisch saß eine Dame, die statt dem Perlhuhn etwas Vegetarisches als Hauptgang erhielt, soweit ich sehen konnte überbackenes Gemüse in Tomatensauce, sah durchaus lecker aus.


WER WAR`S?


Der Gärtner nicht, soviel ist klar, nachdem keiner im Stück vorkam. Wer es aber wirklich war, verrate ich natürlich nicht. Wie gesagt dauert das Dinner ca. 4 Stunden, nach jeweils ca. einer halben Stunde Schauspiel folgt ein Essensgang von ca. 20 Minuten, genug Zeit, um in Ruhe zu essen und für die Raucher auch noch Gelegenheit, schnell nach draußen zu gehen.

Nach dem letzten Gang wird der Mörder überführt, doch zuvor dürfen die Anwesenden vorbereitete Zettel ausfüllen, auf denen sie notieren, wer es war, welches Motiv er/sie hatte und welche Strafe angemessen sei. Diese Zettel werden eingesammelt und ausgewertet (die verteilten Kugelschreiber darf man behalten), die lustigsten Antworten wurden vorgelesen, was noch einmal ordentlich Lacher folgen ließ – wobei ich mir nicht so sicher bin, ob diese tatsächlich von Teilnehmern geschrieben und nicht gefaket waren, aber wen stört´s? Wer den richtigen Täter aufgeschrieben hat, kommt in den Lostopf (wofür die Urne Lord Ashtonburys missbraucht wird) und hat die Chance auf eine Flasche Wein. Zudem geht eine weitere Flasche an Denjenigen oder Diejenige, der/die die authentischste 60ger-Jahre-englischer-Adel-Kleidung trägt. Die Dame im schwarzen Sixties-Kostüm mit Pillbox-Schleierhütchen wurde da ganz zu Recht ausgezeichnet. Ich lag bei der Täterbestimmung richtig, hatte aber leider nicht das Losglück.



FAZIT


Dieses Krimidinner war ein rundum gelungenes Geschenk, das mich wirklich begeistert hat. Es war spannend, es gab viel zu lachen, das Essen sowie mein Wein waren lecker, der Service schnell und freundlich und die Räumlichkeiten passten. Den nicht geringen Preis von 79 Euro pro Person (ohne Getränke) halte ich dafür absolut für angemessen, es ist einfach mal was Anderes und auch Besonderes. Es ist absolut kein Verbrechen, wenn ich dieses Event weiterempfehle.

Wer nun Lust hat, auch einmal so ein Dinner mitzumachen, der gibt bei Mydays einfach „Krimidinner“ in die Suche ein und findet das Event an 147 Standorten. Ich selber kann natürlich nur Würzburg beurteilen, aber ich denke, auch an anderen Standorten sind sowohl die Schauspieler als auch das Menü nicht schlechter. Sollten wir einmal wieder krimidinieren wollen, werde ich allerdings direkt über die Seite des Veranstalters „World of Dinner“ (www.worldofdinner.de) buchen, hier kann man über die Suche Standorte in der Nähe eingeben, das Stück auswählen, das Menü (das ja immer wechselt) anschauen, freie Termine eruieren und Informationen über den Spielort nachlesen. Teilweise kann hier sogar auch gleich eine Übernachtung mitgebucht werden.

Würde euch so ein Krimidinner Spaß machen? Oder habt ihr schon mal eines erlebt? 

Liebe Grüße
Eure Kerstin