Sonntag, 15. Januar 2017

EIN NEUES (BLOGGER)JAHR oder "WIE(SO) - WESHALB - WARUM?"

Hallo ihr Lieben,

da bin ich wieder, zurück aus der Blogpause, die etwas länger gedauert hat als ich eigentlich vorhatte. Was nicht nur am Feiertagstrubel liegt und daran, dass ich gesundheitlich auch etwas angeschlagen war, sondern daran, dass ich derzeit keinerlei Lust oder Motivation zum Schreiben habe.Ich habe zwar durchaus (bisher noch vage) Ideen, über was ich euch gerne etwas erzählen würde, die sind allerdings momentan überlagert von kritischen Gedanken über die Sinnhaftigkeit der Bloggerei im Allgemeinen und meines Blogs im Speziellen. Ich fürchte, die müssen zuerst raus, bevor ich frisch fromm fröhlich frei weiterbloggen kann.

Wer also sehnsüchtig auf eine neue Produktvorstellung von mir wartet, den muss ich leider um Geduld bitten. Vielleicht lest ihr diesen Text hier trotzdem gerne, wenn nicht, könnt ihr euch ja zumindest die Bilder anschauen: die sind aus meinem aktuellen über LIDL-Fotos selbstkreierten Kalender 2017 mit dem Thema "Türen, Fenster, Mauern" ;-)

Burg Katzenstein


Aber nun zu meinen Gedanken:

SINN EINES PRODUKT-BLOGS = WERBUNG???

Natürlich ist mir klar, dass jeder Produkttestbericht von Bloggern auch ein Stück weit Werbung ist. Keine Firma würde Produkte gratis herausgeben, wenn dieser Werbeeffekt nicht wäre. Und wir alle machen jeden Tag Werbung: erzählen wir der Freundin von dem tollen Mixer, den wir gekauft haben - Werbung! Geben wir der Schwester den Rat, es doch mal mit dem Putzmittel zu versuchen, das wir gut finden - Werbung! Schwärmen wir dem Kumpel von unserem tollen neuen Auto vor - Werbung!

Landesgartenschau Öhringen


Ich sehe den Sinn meines Blogs aber hauptsächlich darin, Verbraucher- bzw. Kaufberatung zu geben. Das heißt, dass ich über reine Werbung hinaus versuche, ein Produkt auf Herz und Nieren zu testen, alles Details zu beleuchten, alle relevanten Informationen zu geben und auch die negativen Aspekte im Bericht nicht zu verschweigen. Und damit werbe ich nicht ausschließlich, sondern rate sogar eben auch mal ab, manchmal jedem, manchmal nur bestimmten Personengruppen, für die ein Produkt meiner Ansicht und Erfahrung nach nicht unbedingt geeignet ist. Meine Glaubwürdigkeit ist mir wichtig und für meine Artikel stelle ich den Anspruch, dass sie informativ, allumfassend und ehrlich sein sollen.

Doch in letzter Zeit frage ich mich immer mehr: ist das überhaupt gefragt und erwünscht? Mache ich mir die Mühe für nichts und wieder nichts?

QUANTITÄT VOR QUALITÄT?

Ein gutes Beispiel ist die Aktion des Küchengeräteherstellers... nennen wir ihn mal Kxxx.
Der startete im letzten Jahr eine große Aktion und verteilte Unmengen an Produkten an viele Blogger. An und für sich ja nichts Schlechtes, mal begegnete mir hier etwas über die Kxxx-Heißluftfritteuse, dann dort über den Kxxx-Mixer, dann nicht nur in Blogs, sondern auch bei CIAO.de (wer das nicht kennt: ist eine Plattform, auf der Verbraucher für Verbraucher über ihre Erfahrungen mit Produkten schreiben). Es wurde immer mehr und mehr, eine regelrechte Kxxx-Welle brach über mich herein.

Ich fand das Anfangs auch sehr interessant, aber mit der Zeit fand ich die meisten Berichte dann doch irgendwie unbefriedigend für mich als Leserin. Denn was erfuhr ich denn eigentlich mehr, als dass es Produkt X und Produkt Y gibt und dass es gaaaanz toll ist? Bis auf in ganz wenigen Ausnahmeblogs nichts!

Arco, Italien


Ich schaute also auf CIAO nach, da dort im Normalfall mehr Infos und Erfahrungen zu lesen sind. Pustekuchen, Fehlanzeige. Eine Autorin erwähnte so gut wie nie, dass sie die Produkte zum Testen erhalten hatte und vermittelte stets den Eindruck, dass sie diese selber gekauft habe und schon ewig verwenden würde. Was irgendwie unglaubwürdig erscheint, wenn sie in einem Jahr 27 Kxxx-Geräte erworben haben will, darunter 3 Küchenmaschinen, 3 Wasserkocher und zwei Minikühlschränke. Soviel Ferienwohnungen hat kein Mensch, um das Zeug unterbringen zu können.

Eine andere Autorin kopiert schnell mal die Herstellerangaben von 25 Geräten, die sie natürlich alle lange und genau getestet hat, schreib in vier Sätzchen von ihren "Erfahrungen" und dass alles gaaanz toll ist, wobei sie sämtliche Rechtschreib- und Grammatikregeln der deutschen Sprache missachtet, so dass man manche Sätze erst nach mehrmaligem Lesen kapiert. Hey, aber warum sollte eine Firma wie Kxxx wert darauf legen, dass ihre Werbepartner sich halbwegs gut und korrekt ausdrücken können?
In den Pro- & Contrazeilen, die es auf CIAO gibt, steht auch bei Autorin 3 wie bei ihren Kolleginnen nur viel unter Pro und bei Contra liest man "Nichts" oder "keins", die Bewertungen sind dementsprechend auch durch die Bank weg 5 Sterne (Höchstwertung) ohne Einschränkung.

Bei aller Liebe, aber wie realistisch ist es, dass eine Firma ausschließlich Geräte herstellt, die immer und ausschließlich ohne den geringsten auch noch so kleinen Nachteil perfekt sind? Und wie glaubwürdig ist eine Firma, die sich als "Produkttester" eine Unmenge an Menschen heraussucht, von denen sie sich dann beweihräuchern lässt?

Neugierig war ich trotzdem noch und wollte daher den Versuch starten, mir ein eigenens Bild zu machen. Also schrieb ich die Firma an und fragte, ob eine Möglichkeit bestünde, in das Produkttesterprogramm zu kommen. Meine Blogdaten mit Statistik gab ich dabei genauso an wie ein paar Infos über meine Person. Als Antwort bekam ich: NICHTS. Nun kann man natürlich sagen, dass die sicher so viele Bettelmails bekommen, dass sie nicht mehr antworten können... sorry, wenn auch über das Kontaktformular im Kundenservice eine Info "Wir antworten innerhalb von 48 Stunden" nichts kommt, dann finde ich das unfreundlich. Selbst eine Standardantwort "...leider keine Plätze frei..." oder Ähnliches an einen immerhin noch potentiellen Kunden wäre da besser gewesen. Aber sei´s drum, es gibt ja noch andere

KOOPERATIONEN

Na ja, die habe ich auch nicht. Ich durfte längere Zeit für Inateck Technikprodukte testen, was mir viel Spaß gemacht hat, auch weil die allesamt gut waren und ich die kleineren Nachteile nicht verschweigen musste. Aber als ich zwei Tests ablehnte, weil die nur mit iPhones kompatibel waren und ich kein iPhone habe (somit auch nicht reell testen kann), war es vorbei mit der Kooperation. Mittlerweile scheint deren Testerprogramm aber auch eingestellt zu sein.



Landesgartenschau Öhringen


Ansonsten: seltsame Anfragen, ob ich nicht einen vorgefertigten Artikel über ein Produkt gegen Bezahlung veröffentlichen würde und dabei so tun sollte, als wäre der von mir geschrieben.
Anfragen, ob ich nicht einen Shop vorstellen möchte und was ich dafür will. Auf meine Antwort, dass ich das gerne tun würde, dafür ein Produkt der Firma möchte, das ich testen und über das ich berichten kann... Schweigen im Walde. Viele Firmen besitzen nicht einmal die Höflichkeit, mir mitzuteilen, dass sie andere Vorstellungen haben und deswegen nichts aus der Kooperation wird.
Ein für alle Mal: nein, ich lasse mir keine Worte in den Mund legen und veröffentliche vorgefertigte Texte und ich will kein Geld für eine Jubelmeinung, sondern schreibe ausschließlich über Dinge, mit denen ich eigene Erfahrung gemacht habe und die ich objektiv bewerten kann und darf.



Burg Katzenstein


Was ich mich in solchen Momenten immer frage: stehen diese Firmen nicht hinter ihren Produkten? Halten sie von ihren eigenen Produkten so wenig, dass sie Angst davor haben müssen, diese einer Begutachtung zu stellen? Und wie soll ich bitte in solche Firmen dann Vertrauen haben? Und sie weiterempfehlen? Alles sehr seltsam.

Aber egal, es bleiben ja immer noch die

TEST-PLATTFORMEN

Bei den Konsumgöttinnen und den Scouts durfte ich letztes Jahr hin und wieder mitmachen und auch meine ehrliche Meinung sagen. Bei trnd war ich auch zweimal dabei, hier entscheidet ja das Losglück und das habe ich leider selten.



Limone sul Garda, Italien

Andere Plattformen, die ein Jahr zuvor noch begeistert über mein Engagement waren, berücksichtigten mich dagegen nicht mehr, bei anderen durfte ich eh noch nie... über die Gründe zu reden wären Spekulation, die kleinen Enttäuschungen dagegen lassen sich nicht weg reden.

ACHTUNG!

Bevor jetzt der große Shitstorm über mich herein bricht: ich beklage mich nicht, ich würde zu wenig zum Testen bekommen. Ich gönne es auch jedem anderen und ich will garantiert niemanden wegen seiner Art zu bloggen angreifen oder weil er/sie Kooperationen eingeht. Nichts davon ist verwerflich und niemand ist ein schlechterer Mensch, nur weil er Dinge anders handhabt als ich.



Arco, Italien

Ich habe mir sogar lange überlegt, ob ich diesen Artikel überhaupt schreiben soll, da ich mich mit meiner Meinung normalerweise sehr zurück halte - hab da echt schon schlechte Erfahrungen gemacht, weil es Menschen gibt, die sich schnell angegriffen fühlen (obwohl man sie gar nicht meint) und andere Ansichten als die eigenen nicht ertragen können. Und verletzen möchte ich mit meinen Gedanken sicher niemanden.

Andererseits bekam ich diese Gedanken auch einfach nicht mehr aus dem Kopf und sie werden auch Auswirkungen auf meinen Blog haben. So werde ich mich zum Beispiel nur noch auf ausgewählte Produkttests bewerben, die mich wirklich interessieren und von denen ich glaube, dass ein Test und eine Kaufberatung sinnvoll ist. Das hat nichts mit "ich bin mir zu gut für kleine Dinge" zu tun, sondern...
...im Dezember hatte ich zum Beispiel einen Bericht über den Melitta-Test bei den Konsumgöttinnen gepostet und mich anschließend echt gefragt: Wer sucht im Netz eine Kaufberatung für Supermarkt-Kaffee? Oder wer denkt nach dem Lesen "Ui, ich trinke eigentlich Jacobs, aber wenn Kerstin der Melitta schmeckt, probiere ich den mal"? Kein Mensch. Das Thema ist doch einfach nur laaaaangweilig! Und unnötig. Oder liege ich da komplett falsch?


Gerakini, Griechenland


LANGE REDE

kurzer Sinn: momentan gehe ich davon aus, dass es 2017 weniger Artikel auf meinem Blog geben wird. Vielleicht auch nicht nur noch Produkttests, sondern auch mal einfach ein paar Gedanken. Auf alle Fälle wieder den einen oder anderen Reisebericht. Jedenfalls möchte ich den Spaß am Bloggen wiedergewinnen und mich nicht mehr unter Druck gesetzt fühlen (wobei ich mir den oft selber mache, das gebe ich gerne zu).

Weniger Präsenz wird sich natürlich auf meine Statistik auswirken, vielleicht verliere ich auch den einen oder anderen Leser. Die, die mir bleiben, können sich aber darauf verlassen, dass ich weiterhin ehrlich und authentisch schreiben werde. Qualität vor Quantität. Das ist doch auch was ;-)

Wie auch immer: ich bin gespannt, was mir das Bloggerjahr 2017 so bringt und freue mich auf eure Besuche in meiner "Kerryworld".

Liebe Grüße
Eure Kerstin