Dienstag, 24. Juni 2014

MING UND DIE VERWUNSCHENEN ELTERN - EINE REZENSION

Hallo ihr Lieben,



habt ihr kleine Kinder? Enkel? Freundinnen mit kleinen Kindern? Dann ist mein neuer Blogbericht etwas für euch, heute möchte ich nämlich ein Kinderbuch rezensieren, von dem ich ein Rezensionsexemplar direkt von der Autorin erhalten habe.






Ich kenne Kerstin Mahr, die Verfasserin des Kinderbuchs „Ming und die verwunschenen Eltern“ persönlich, wir sind uns zwar noch nie real begegnet, halten jedoch seit Jahren virtuell mehr oder weniger Kontakt.  Kerstin schrieb mich vor kurzem an und bat mich, ob ich nicht eine Rezension zu ihrem Erstlingswerk, einem Kinderbuch schreiben könne. Einerseits war ich natürlich schon neugierig auf ihr Werk, andererseits auch etwas skeptisch, ob ich diese Aufgabe übernehmen sollte. Wäre es so gut, eine Rezension über das Buch einer Bekannten zu schreiben für den Fall, dass man nicht nur jubeln könnte? Würde ich es über´s Herz bringen, hier genauso kritisch wie bei einem mir unbekannten Autor zu sein?

Doch das muss ich sein, was ein ganz aktuelles Erlebnis mir zeigte: ich kaufte mir kürzlich ein E-Book einer unbekannten Autorin aus einem Autorenverlag, das bei Amazon sehr gut besprochen war. Beim Lesen stellte ich fest: „Was für ein Mist!“ Selten hatte ich etwas Schlechteres gelesen und beim erneuten und genaueren Betrachten der Rezensionen stellte ich fest, dass die Jubelarien wohl von Freunden und Bekannten gepostet waren. Na toll, wie soll man sich dann auch Bewertungen verlassen können?

So würde ich es nicht machen und das sagte ich Kerstin auch, die das verstand und das Risiko eingehen wollte. Sie schickte mir ein Rezensionsexemplar, das ich gerne gelesen habe und das ich euch nun vorstellen möchte. Doch zunächst noch ein paar Infos zur Autorin und zum Verlag.


MEINE NAMENSVETTERIN

wurde im Februar 1969 in Mittelfranken geboren und lebt mit Mann und zwei Kindern in Abenberg im Landkreis Roth. Sie ist gelernte Gärtnerin und schrieb schon früher gerne, unter anderem Gedichte und kleine Geschichten für Feiern.

Seit der Geburt ihrer Kinder ist sie Vollzeit-Mutter, ihre kreative Phase kam Anfangs zum Erliegen, nun erfüllte sie sich aber den Traum, ein eigenes Kinderbuch zu veröffentlichen.
Mehr private Informationen über sie findet man hier: http://www.autorenprofile.de/autoren-von-a-z/kerstin-mahr/

DER VERLAG

'''„Ming und die verwunschenen Eltern“''' wurde im '''Kern Verlag''' / Bayreuth veröffentlicht. Der Kern Verlag ist ein sogenannter „Autorenverlag“, das heißt dass die Autoren, die hier veröffentlichen wollen, einen finanziellen Beitrag dazu leisten müssen. Da neue Autoren meistens keine Chance haben, in einem der großen Verlage unter zu kommen, ist ein Autorenverlag durchaus eine gute Alternative.

Der Verlag Kern bietet im Gegenzug diverse Leistungen: das Buch wird lektoriert, korrigiert und fachgerecht gesetzt. Ein professionelles Buchcover wird erstellt, das Buch wird beim VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher gelistet und den Staatsbibliotheken mit den gesetzlich vorgeschriebenen Freiexemplaren gemeldet. Die Deutsche Bibliothek verzeichnet es in der Deutschen Nationalbibliographie. Auch weitere Vermarktungsmaßnahmen werden vom Kern Verlag getroffen und E-Book-Versionen erscheinen zusätzlich in diversen Online-Shops.

Zu Kerstin Mahrs Buch kann man auf der Seite des Verlags folgende Inhaltsangabe lesen:

„Kerstin Mahr erzählt die erste Geschichte des kleinen Gespenst Ming und präsentiert damit den Auftakt zu einem neuen Kinderbuchhelden, von dem man noch einiges hören wird – später!
Zunächst gibt es hier aber fünf wunderbare Kindergeschichten zum Lesen und Vorlesen. Von Kindern, die ihre Eltern wegwünschen, von kleinen Florian, der plötzlich weg ist, von Lisa, die Pilze sammelt, Melissa, die mal eben zum Frisör geht und die Geschichte des Feuersalamanders Ferdinand.
Dazu hat sich die Autorin noch eine ganze Menge Gedichte von Tieren und Sachen ausgedacht.“




 
GESCHICHTEN UND GEDICHTE

Kerstin stellt uns in der ersten Geschichte des Buchs die Titelfigur Ming vor, ein kleines Gespenst, über das sie in Zukunft noch mehr erzählen möchte.

„Das kleine Gespenst Ming“  lebte früher mit Mutter und Geschwistern auf einer Burg, in der es leider nass und kalt war. Normalerweise macht Gespenstern das nichts aus, aber Ming leidet unter einer seltsamen Krankheit – er muss immer niesen, wenn er nass wurde. Deswegen beschließt seine Mutter, ihn zu einem Onkel zu bringen, der in einem trockenen Schloss in einer wärmeren Gegend lebt. Leider verlieren sich die beiden auf dem Weg dorthin durch unglückliche Umstände aus den Augen und Ming rettet sich vor der aufgehenden Sonne auf den Dachboden eines Bauernhauses. In diesem Haus lebt eine Familie mit zwei Kindern, die 8jährige Mia und der 5jährige Oli, die Ming eines Tages auf dem Dachboden entdecken. Nach dem ersten Erschrecken freunden sich die Kinder und Ming an…

Die Geschichte ist wirklich nett geschrieben und ich denke, dass sie jüngeren Kindern gut gefallen würde. Wer wünscht sich in diesem Alter nicht einen heimlichen und besonderen Freund, mit dem man viel Spaß haben kann. Gegen Ende hin wird es allerdings ein wenig langatmig, denn die Geschichte zieht sich etwas weit in die Zukunft, bis Mia und Oli groß sind, heiraten und sogar die eigenen Kinder Ming vorstellen. Meiner Ansicht nach hätte man schon vorher ein Ende setzen können, weswegen ich für die erste Erzählung auch einen Stern abziehen muss – 4 Sterne!

Nach dieser Geschichte folgt keine weitere, sondern es gibt zuvor „Gedichte für Kinder“. Größtenteils geht es in diesen Gedichten um Tiere, für Kinder ja immer ein schönes Thema. Die Gedichte reimen sich, das Vermaß stimmt dabei in den meisten Fällen. Warum ich das erwähne? Weil ich schon öfter Gedichte zu Gesicht bekommen habe, bei denen das Vermaß dermaßen holprig ist, dass man es kaum aushält. Das ist hier zum Glück nicht der Fall.
Schmunzeln musste ich vor allem über „Der Hahn“, der zunächst erzählt, dass er der Chef im Hühnerstall ist, dann aber zugeben muss, dass er bei seinen Damen relativ wenig zu sagen hat.
Insgesamt habe ich die kleinen Verse gerne gelesen und bin überzeugt, dass sie vor allem kleineren Kindern viel Spaß bereiten. 5 von 5 Sternen.

In der nun folgenden Geschichte „Die verwunschenen Eltern“ geht es um eine Situation, die alle Eltern und Kinder kennen: dem allabendlichen Kampf um das Aufräumen und die Bettzeit. Florian und Melissa haben keine Lust und finden das Gemecker der Eltern doof, die Eltern dagegen sind genervt, weil die Kinderzimmer Abend für Abend aussehen, als hätte eine Bombe eingeschlagen und selbst die Betten nicht frei von Spielzeug sind. An einem solchen Abend kommen die Geschwister auf die Idee, die Eltern mit Hilfe von Melissas Feenstab zu verwünschen – sie sollen morgen nicht mehr da sein. Durch einen Zufall bekommen Mama und Papa diesen Wunsch mit und beschließen, den Kindern eine Lektion zu erteilen: in aller Herrgottsfrühe verlassen sie das Haus und lassen die Kinder einen Tag lang machen, was diese wollen. Anfangs ist das alles ein großer Spaß, doch gegen Abend…
Diese Geschichte gefällt mir wirklich gut, sie ist witzig, aber auch lehrreich. 5 von 5 Sternen.

„Florian ist weg“, denn der Vierjährige geht mit Papa im Wald spazieren, läuft unbedacht voraus und verirrt sich. Der arme Kerl ist sehr verängstigt, auch als zwei Männer ihn entdecken und ihm helfen wollen, kommt keine Erleichterung auf, denn die Eltern haben Florian ja beigebracht, dass er niemals mit Fremden mit gehen darf. Zum Glück geht dieses ungewollte Abenteuer aber gut aus.
Auch diese Geschichte ist unterhaltsam geschrieben und spannend. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob kleine Kinder mit dem Dilemma „Mit Fremden nicht mitgehen / Gerettet werden“ zurecht kommen und welche Lehre sie für sich daraus ziehen. Von daher: 4 von 5 Sternen.

In „Lisa sammelt Pilze“ wiederholt sich das vorhergehende Thema in einer Variation: Lisas möchte Pilze sammeln gehen, doch ihre Mama hat keine Zeit und so macht sich das Mädchen heimlich alleine auf in den Wald, wo sie sich prompt verirrt. Da Bauer Max aus dem Dorf aber mitbekommen hat, wo Lisa hin gegangen ist, wird sie gefunden, bevor die Nacht vorbei ist.
Hier gefallen mir die Beschreibungen sehr gut, wie man sich im Wald und beim Pilze sammeln verhält. Da die Geschichte aber ein wenig wie ein Abklatsch der vorhergehenden wirkt, langweilt es auch ein bisschen. Die Lehre ist dieselbe: gehorche den Eltern und lauf nicht alleine in den Wald. Nun ja… 3 von 5 Sternen.

Mit „Melissa geht zum Friseur“ konnte ich leider gar nichts anfangen. Das fast 5jährige Mädchen ist eine kleine Diva, die Charme und Biestigkeit gleichermaßen einsetzt, um zu bekommen, was sie will. Sie geht gerne zum Friseur und als so ein Besuch mal wieder fällig ist, freut sie sich darüber. Als der Friseur überraschend geschlossen hat, wird Melissa sehr trotzig, auch beim nächsten ist ohne Termin nichts machbar und Melissa wird noch unausstehlicher. Beim dritten endlich werden ihr die Haare geschnitten, dennoch führt sich das Kind unmöglich auf und Mama ist alles sehr peinlich. Wieder daheim, bekommt Melissa dann auch noch eine Belohnung…
Liebe Kerstin, ich hoffe sehr, dass du dir nicht deine Tochter als Vorbild für diese Geschichte genommen hast und mich jetzt steinigst, aber das Mädchen kommt für mich sehr unsympathisch und verzogen rüber. Ich weiß auch nicht so recht, wo darin das Fazit oder die „Lehre“ für Kinder liegen soll: „Führ dich auf, wie du willst, am Ende geht dir alles durch.“? Dieser Geschichte kann ich nur einen von 5 Sternen geben, weil ich gut darauf verzichten hätte können.

Meine absolute Lieblingsgeschichte ist die letzte, „Der Feuersalamander Ferdinand“. Der kleine Feuersalamander wundert sich sehr, als ihn ein Reh anspricht und neugierig darüber ausfragt, wer er ist. Denn alle anderen Tiere im Wald haben eigentlich Angst vor ihm und so ist er recht einsam. Das Reh beschließt, Ferdinand seinen Freunden im Wald vorzustellen und so eine Brücke zwischen dem Feuersalamander und den anderen Tieren zu schlagen…
Zum einen ist diese Geschichte ausgesprochen phantasievoll geschrieben, zum anderen werden die Themen „Ausgrenzung“, „Anderssein“, „Angst vor dem Fremden“ und „Toleranz“ wunderbar und kindgerecht transportiert. 5 von 5 Sternen sind hier keine Frage.








 
LEKTORAT

Hierzu möchte ich ausnahmsweise ebenfalls etwas sagen, da mir so manche Dinge in dieser Hinsicht extrem aufgefallen sind. Bevor ich mich etwas näher mit dem Kern Verlag beschäftigt hatte war ich der Ansicht, dass das Buch überhaupt nicht lektoriert worden ist. Nun habe ich ja aber herausgefunden, dass laut Verlag das Buch durchaus lektoriert wurde. Die Aufgabe eines Lektors ist es, ein Manuskript hinsichtlich Sprache und Inhalt zu überprüfen und zu korrigieren, bzw. Korrekturen zur Überarbeitung vorzuschlagen. Diese Aufgabe wurde in meinen Augen nicht im Geringsten erfüllt.

In der ersten Geschichte verwendet die Autorin des Öfteren die indirekte Rede, leider grammatikalisch meist nicht ganz korrekt. Kleine Kinder wird das nicht stören, mich schon und für einen Lektor wäre es ein Leichtes gewesen, das schnell mal zu berichtigen.

In der „Friseur“-Geschichte ist mitten drin ein ganzer Absatz auf einmal kursiv gedruckt und ich fragte mich, ob das was zu bedeuten habe. Hat es wohl nicht, ist einfach nur falsch.

Die Aufteilung der Geschichten und Gedichte hätte man auch etwas ändern können, um den Aufbau spannender zu gestalten. Zum einen wäre es besser gewesen, den Gedichteblock zu splitten und an zwei oder drei Stellen zwischen die Geschichten zu schieben. Gerade Erstleser haben sicher nicht die Geduld, alle Gedichte am Stück zu lesen, die Konzentration würde bei einer Aufspaltung dieses Blocks eher gewahrt bleiben.
Außerdem wäre es sinnvoll, die beiden „Verirrt“-Geschichten zu trennen und nicht direkt hintereinander zu bringen, dann würde die Themenähnlichkeit nicht so stark auffallen.

In meine Gesamtbewertung werde ich diese Mängel nur leicht einfließen lassen. Erstens kommen sie beim Vorlesen nicht so stark zum Tragen, die Reihenfolge kann der Vorleser ja ändern. Zweitens ist es
 nicht die Schuld der Autorin, wenn das Lektorat versagt, wozu hat man denn ein solches. Drittens verrechne ich die Mängel mit dem positiven Eindruck, den die kleinen Schwarz-Weiß-Illustrationen (in der Mehrheit kleine, sehr passend gesetzte Clip-Arts) auf mich machen.








FAZIT

Das kleine Taschenbuch mit 104 Seiten ist mit 12,90 Euro nicht ganz billig. Ich denke aber, dass es sich sehr gut für Kinder ab 3-4 Jahren zum Vorlesen und für Erstleser zum Selberlesen eignet. Mir gefällt besonders der leichte nostalgische Charme, es gibt mittlerweile wenig Bücher, die nicht mit viel Action knallbunt und rasant daher kommen und ich denke, dass auch oder gerade die leisen und einfacheren Töne Kindern sehr gut tun.

Kerstin Mahr ist sicher nicht die neue Astrid Lindgren, sie hat noch Entwicklungspotential. Ihr Erstlingswerk ist aber durchaus gut gelungen und ich würde mich freuen, wenn sie ihr Vorhaben, weitere Geschichten über das kleine Gespenst Ming auf den Markt zu bringen in die Tat umsetzen würde. Aber auch so schöne Tiergeschichten wie die von Ferdinand könnte ich noch mehr lesen.

Summa summarum komme ich auf eine Wertung von ca. 3,5 Sternen, die ich gerne auf 4 aufrunde.

Ich wünsche euch eine schöne Woche, freue mich über jeden Kommentar hier und melde mich demnächst wieder mit dem zweiten Teil meines HP-Produkttests
Eure Kerstin


Daten:
Ming und die verwunschenen Eltern
Geschichten und Gedichte für Kinder
Autorin: Kerstin Mahr
© Verlag Kern, Bayreuth
ISBN 9783957160171
ISBN E-Book: 9783957160508
1. Auflage 02014, Broschiert, 104 Seiten
Sprache: Deutsch
Buch: 12,90 EUR -  E-Book: 9,68 EUR