Dienstag, 11. Februar 2014

NUMMERN STATT NAMEN

Hallo, meine lieben Leser/innen,

heute möchte ich mich mal wieder einem guten Tropfen widmen... ach was, einem? Mehreren. Ich habe mir nämlich vor einiger Zeit bei weinvorteil.de ein Testpaket mit verschiedenen Sorten von 94wines bestellt und bin jetzt durch mit Probieren ;-)




94WINES

Als Allererstes fallen einem die Farben der Flaschen ins Auge, die sind nämlich nicht grün, braun oder klar, sondern bunt: Pink, Rot, Türkis, Schwarz, Weiß… Die Weine haben auch keine klangvolle Namen, sondern einfach Nummern. Im Testpaket sind zum Beispiel die 2, 3, 5, 50, 51 und 52 enthalten.

Das niederländische Unternehmen möchte durch die Kennzeichnung mit Farben und Nummern den Kauf von Qualitätsweinen für den Konsumenten vereinfachen und setzt damit auf einen hohen Wiedererkennungswert. Wer sich nicht sicher ist, welcher Wein zu ihm passt muss sich nicht mit Rebsorten oder Anbaugebieten befassen, sondern kann auf der Homepage www.94wines.com einen kleinen Test mit 6 Fragen durchlaufen, um danach die passende Weinempfehlung zu erhalten. Ich hab das mal gemacht und festgestellt, dass das Ergebnis nicht hundertprozentig passt, aber doch meinen Vorlieben ziemlich nahe kommt. Die Sprachauswahl der Seite beschränkt sich übrigens auf Niederländisch und Englisch.

Ein weiteres Gadget ist der QR-Code auf der Rückseite der Flaschen. Bei der Bestellung kann man persönliche Nachrichten hinterlassen, die man später per Scan wieder abrufen kann. Ob das so nützlich ist, wage ich zu bezweifeln (zumal bei einem Test durch mich die Server nie zu erreichen waren), außerdem geht das nur über die niederländische Seite, nicht aber bei Weinvorteil.

Ich persönlich möchte trotz allem schon gerne nach Rebe, Anbaugebiet, Säuregehalt & Restsüße oder Alkoholgehalt und nicht nach Flaschenfarbe und Nummer meine Weine auswählen, zum Glück verzichtet 94wines nicht ganz auf diese Angaben. Sowohl bei Weinvorteil als auch hinten auf den Flaschen gibt es diese Angaben, inklusive  Servier- und Temperaturtipps.

In diesem speziellen Fall zählten aber doch die Optik und das witzige Konzept und bei einem Testpaket mit Qualitätsweinen kann man ja auch nicht sooo viel verkehrt machen. Oder? Schauen wir jetzt mal, was drin ist, wobei ich gleich auch die Weine mit Sternen versehen möchte:

 







5 FRESH

Hinter dieser Nummer und einem elegantem Altrosé verbirgt sich passenderweise ein trockener Roséwein aus Südfrankreich. Die Rebsorten Cinsault  (weit verbreitete, sehr alte rote Sorte aus dem Languedoc) und Grenache Noir (rote Traube mit wenig Tanninen, daher fruchtig und mild) sprechen mich persönlich sehr an, so dass ich gespannt und voller Erwartung war. Bei einem Preis von 8,99 Euro (6er-Karton 53,94) kann man ja auch durchaus etwas Feines erwarten, vor allem da der Alkoholgehalt mit 12% auch nicht auf einen faden Tropfen schließen lässt.

Auch die Beschreibung bei Weinvorteil klang recht gut: „reife, rote Früchte“… „Duftnoten von Brombeeren, Johannisbeeren und Erdbeeren“… „Frisches, gut ausgewogenes Aroma mit floralen Noten“…

Ob ich die angeratenen 8 Grad Trinktemperatur nun genau erreicht hatte, kann ich nicht sagen, jedenfalls war der 5er gut gekühlt, als ich ihn kostete und leider etwas enttäuscht wurde. Ich fand ihn nämlich extrem trocken, nach dem zweiten Glas wurde es besser, aber wer will schon immer zwei Gläser trinken, um sich daran zu gewöhnen und Genuss zu empfinden? Von der Beschreibung her hatte ich viel Frucht erwartet, gehofft die Beeren schon riechen zu können – flacher Duft und kaum Frucht erfüllten auch dies nicht. Zu guter Letzt bekam ich noch heftiges Sodbrennen, was die Nummer 5 endgültig durchfallen ließ.

Einen von 5 Sternen, mehr kann ich da nicht geben. Kommen wir zum nächsten Wein:







52 RED & RICH

„Dieser rote Spitzenwein wurde gekeltert aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Shiraz. Der Wein hat einen reichen und vollen Geschmack reifer, schwarzer Johannisbeeren, von Süßholz, Schokolade und ist von einer leichten Würzigkeit.“ – so heißt es bei weinvorteil.de
Cabernet Sauvignon und Shiraz liebe ich, Merlot weniger, wenn es ein reiner Merlot-Wein ist. Im Verschnitt bringt diese Traube aber eine gewisse Würze mit ins Spiel, die mir durchaus gefällt. Zudem ist von einem langen und weichen Abgang die Rede, der Alkoholgehalt von 14% lässt auf einen charakterreichen und vollmundingen Genuss schließen.

Die Nummer 52 befindet sich in einer silberfarbenen Flasche, kommt ebenfalls aus Südfrankreich, als Region ist „Vin de Pays d'Oc“. Doch was bedeutet das? Im Prinzip würde ich einen Vin de Pays nicht als Spitzenwein bezeichnen, denn das heißt nicht mehr und nicht weniger als „Landwein“ und bezeichnet eigentlich einfache Tafelweine. Das „d´Oc“ grenzt lediglich das Ganze auf die Region um das an das Mittelmeer grenzende Südfrankreich und das Gebiet westlich der Rhône im südlichsten Abschnitt ein. Vin de Pays dürfen nur aus zugelassenen Rebsorten gekeltert und nicht mit Weinen aus anderen Gebieten verschnitten werden.

Zu einem Preis von 10,99 Euro pro Flasche (Karton 59,95 Euro) erwarte ich nun schon etwas Besonderes und in der Tat ist dieser Rote gar nicht übel und schmeckt mir ausgesprochen gut, sehr mild und dennoch reich an Geschmack. Fruchtig, im ersten Moment eine Note, die ich nicht identifizieren konnte und die für mich etwas gewöhnungsbedürftig war. Nach der Beschreibung gibt es neben Johannisbeer- und Schokoladearomen auch einen Hauch von Süßholz.  Lakritze? Mag ich eigentlich nicht, aber vielleicht ist das die unbekannte Note, die mir dennoch zusagt und den Wein zu etwas Besonderem macht. Würde ich wieder kaufen, wenn er günstiger wäre und gebe daher 4 von 5 Sternen.





3 RED & FRUITY

Zu 8,99 Euro (zur Zeit meines Tests war er allerdings mit 5,99 Euro ausgezeichnet, dazu aber später mehr) handelt es sich hier ebenfalls um einen Vin de Pays d`Oc, also um einen Südfranzosen. Diesmal aber in einer knatschpinken Flasche und aus den Trauben Carignan, Grenache und Merlot.

Weinversand.de preist diesen Wein folgendermaßen an: „Mit diesem Glamourwein können Sie bei Ihren Freunden einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen. Ein freundlicher, frischer und leicht würziger Wein mit herrlich viel roter Frucht.“ Na, da bin ich ja auch sehr gespannt.

Carignan war mir bis dahin kein Begriff und ich habe mich schlau gemacht:
Die ursprünglich spanische Rebsorte wird heute auch in Frankreich, Algerien, Israel und Kalifornien angebaut, ist die fünfthäufigste Rebsorte der Welt und die zweithäufigste rote Rebsorte. Die Erträge sind sehr gut, der Wein ist dunkel, tanninreich und säurereich, mit wenig Aroma. Von daher wird diese Traube auch meistens für Verschnitte verwendet. Wikipedia meint dazu, dass im Languedoc die Traube in fast allen Weinen vertreten sei, aber in ihrem Anteil beständig verringert und durch Syrah und Cinsaut ersetzt würde, die aromareicher und feiner sind.

Meine Einschätzung:  Schmeckt nicht ganz so weich wie der 52, aber auch nicht rau und rundum fruchtig und lecker. Für den Preis (die damaligen 5,99) ein absolut akzeptabler Wein, den ich gerne nachkaufen würde. Bei 8,99 Euro würde ich es mir allerdings gut überlegen. Ich schwanke je nach Preis zwischen 3 und 4 Sternen, drücke ein Auge zu und vergebe vier von fünf.

Der nächste, der dran glauben musste:
 

 



2 SMOOTH 


Ein Weißwein in türkisfarbener Flasche, ein frischer und fruchtiger Chardonnay aus Südfrankreich, er von Weinvorteil wieder einmal als „glamourös“ bezeichnet wird.
Dieser Wein wurde serviert auf der Hochzeit von Model und Schauspielerin Yolanthe Cabau van Kasbergen und dem niederländischen Nationalspieler Wesley Sneijder.“ – kennt die jemand? Ich nicht, sind wohl keine internationalen Größen, aber zumindest reich. Und wenn die den auf der Hochzeit servieren, dann kann er ja nur…

… kann er schon, aber warum er 8,99 Euro kostet, ist mir eigentlich schleierhaft. Mit Chardonnay kann man eigentlich nie etwas falsch machen, so auch nicht mit diesem: er schmeckt  sehr lecker, hat eine ausgewogene Säure, ist sehr fruchtig, trocken aber nicht rau. Dennoch bietet er nichts Besonderes und andere Weine gleichwertiges zu günstigerem Preis, wie zum Beispiel der Andiamo bei Hawesko. Selbst der altbekannte Blanchet aus dem Supermarkt für 3 Euro ist nur wenig schlechter, so dass ich hier wirklich nicht so viel ausgeben würde.

Da der Preis aber der einzige „Makel“ ist, vergebe ich 4 von 5 Sternen.





50 GRACIOUS

Der Hammer. Wirklich.
Ein weißer Wein in weißem Kleid, aber mit der Rebsorte konnte ich zunächst einmal gar nichts anfangen: Viognier? Nie gehört. Also musste ich erneut Wikipedia bemühen:
„Viognier ist eine weiße Rebsorte, die überwiegend an der Rhône kultiviert wird. Der aus ihr entstehende Wein ist zumeist alkoholstark, hat eine kräftige Farbe und ein prägnantes Geschmacksbild.“ Weiter heißt es, dass die Erträge schwach sind, weil die Traube nach der Reblauskrise Ende des 19. Jahrhunderts fast verschwunden war.

Wir haben es hier also anscheinend mit einer Seltenheit zu tun und das bestätigt auch mein Urteil, dass ich getroffen hatte bevor ich diese Info hatte. Der trockene Weiße schmeckt nämlich superlecker, nach Aprikose und/oder Pfirsich, mild und ausgesprochen fruchtig auch noch im Nachgeschmack (oder Abgang, wie der Kenner sagt *g*), hat wenig Säure und dennoch einen intensiven Geschmack. Einfach toll und würde ich eine Hochzeit planen, würde ich genau den als Weißwein bereit stellen. Bei 13% wird auch die Hochzeitsgesellschaft schnell lustig ;-)

In dem Fall sind die 10,99 Euro absolut gerechtfertigt und ich vergebe alle fünf von fünf Sternen.





51 WHITE & LUSCIOUS



Ein weiterer „Top-Chardonnay“, dieser hat laut weinvorteil.de „einen herrlichen Duft nach Zitrone und tropischer Frucht. Einem reichen Geschmack von Melone, tropischer Frucht und Nüssen folgt eine Frische, die den Wein leicht trinkbar macht“

Dieser südfranzösische Vin de Pays d'Oc  ist meiner Meinung nach besser als der erste von mir probierte Chardonnay: Vollmundig, rund, weich, trotzdem leicht und süffig, mit 13,5% auch sehr alkoholreich, was den Geschmack auch erklärt. Mit 9,99 Euro allerdings noch einen Tick teurer als der 2 Smooth… nun gut, wenn einen Chardonnay in dieser Preisklasse, dann lieber diesen hier und einen Euro drauf legen. Da lohnt es sich dann schon eher – 4 von 5 Sternen.
Das einzige Problem: den gibt´s gar nicht mehr bei weinvorteil.de *g* 


ALLE SECHS

haben manches gemeinsam. Zum einen sind sie alle mit Schraubverschluss versehen, was ich sehr gerne mag.

Die nächste Gemeinsamkeit: die Flaschen sind nicht eingefärbt, sondern mit einem Plastikumschlag in der jeweiligen Farbe versehen. Das mag ich wiederum gar nicht, denn wie soll man die Flaschen entsorgen? Im Glascontainer sind Korken und Schraubverschlüsse nicht gerne gesehen, wie viel weniger dann Kunststoffhüllen. Ich muss also eigentlich jede Flasche einzeln von ihrem Gewand befreien, bevor ich sie in den Container für Weißglas werfe und die Hülle extra entsorgen – und das, wo ich der Umwelt zuliebe kein Freund von Extramüll bin.

Interessant ist auch die Preisgestaltung, die ist nämlich überhaupt nicht nachvollziehbar. Ich habe natürlich nicht alle Flaschen an zwei Tagen weg gesoffen und so sind seit meiner Bestellung bis zu diesem Bericht heute zwei bis drei Monate vergangen, die Preise hatte ich aber sofort recherchiert und notiert.
So kostete die Nummer 3 damals wie schon erwähnt 5,99 Euro pro Flasche, jetzt aber ist sie mit 8,99 Euro ausgezeichnet. Die Weine zu 10,99 Euro kosteten damals 9,99 Euro. Nummer 50 gab es gar nicht kartonweise zu kaufen, dafür gibt es den jetzt und den 51er nicht mehr. Alle Weine sind derzeit radikal reduziert, jeweils um ca. 45%. Ich habe den Eindruck, dass weinvorteil.de den Originalpreis höher angibt, um die Ersparnis größer erscheinen zu lassen. Interessant ist auch, dass der holländische Händler alle Weine um 3-4 Euro teurer anbietet bis auf die Nummer 2, die ist drei Euro billiger. Sehr seltsam… aber man muss ja nicht alles verstehen.

Verstehen muss ich auch nicht, dass ein Probierpaket nicht wie bei allen anderen mir bekannten Online-Weinhändlern billiger ist als wenn man die Flaschen einzeln so zusammenstellen würde:
58,94 Euro würde das kosten, wenn es bei weinvorteil.de gehen würde, Einzelflaschen zu kaufen und die nicht mittlerweile reduziert wären. 59,94 Euro habe ich für das Probierpaket bezahlt.

Nicht ganz erfreulich war auch, dass ich nach Absendung der Bestellung und der Kreditkartenzahlung auf den Warenkorb zurück geleitet wurde, der immer noch voll war. Keine Bestellbestätigung wurde angezeigt und auch keine entsprechende Email kam herein, so dass ich per Email nachfragte, um zu erfahren, dass die Bestellung eingegangen und die Bezahlung korrekt verlaufen war. Da lauft was alles andere als rund.

Ihr merkt schon, weinvorteil.de ist mir nicht wirklich sympathisch und eigentlich würde ich da nicht mehr bestellen. Auch die Weine von 94wines haben mich nicht hundertprozentig überzeugt. Aber der 50 Gracious ist so lecker und wirklich was Besonderes, zudem derzeit mit 5,99 Euro echt günstig… ich werde wohl noch einmal bestellen müssen.

FAZIT

Dieser ganz private Weintest hat mir viel Spaß gemacht, zwei der Weine haben mich richtig überzeugt, andere fand ich gut aber leicht zu teuer und der Händler ist nicht ganz meiner. Wie soll ich da nun Sterne vergeben?

Ein Testpaket kann niemals zu hundert Prozent begeistern, dafür ziehe ich also keinen Stern ab, zumal alle außer dem Fresh zwischen 4 und 5 Sternen lagen. Ich ziehe aber einen dafür ab, dass man viel für die Optik zahlt, das QR-Gadget und das Konzept nicht wirklich überzeugen, die Farbhülle Extramüll verursacht und die Weine mit großartigem Wortreichtum hochgejubelt werden, dem sie in der Realität fast nie entsprechen.

Auch wenn es hier um das Weinpaket und nicht um den Shop an und für sich geht, muss ich einen weiteren Stern für zwei Dinge abziehen. Erstens dafür, dass sie in Deutschland nur bei diesem  einzigen Weinversand zu haben sind, der bei Weitem nicht der beste seiner Branche ist. Zweitens dafür, dass das Paket zum vollen Preis im Vergleich zu den einzelnen drastisch reduzierten Weinen preislich in keinem reellen Verhältnis mehr steht und schon vor der Reduzierung nicht günstiger (wie Testpakete üblicherweise), sondern sogar teurer war. So bleiben drei Sterne und eine Empfehlung nur für neugierige Weinliebhaber.

Liebe Grüße
Eure Kerry
 
PS: wer sich das Testpaket oder einen der beschriebenen Weine bestellen will - derzeit gilt ein Valentinsgutschein über 15 Euro mit dem Code WVT1402TWM

Beispiel: 
#50 Gracious, Preis/Karton: statt 65,94€ jetzt 35,94€, abzüglich Gutschein = 20,94€